Beeindruckendes Engagement trotz unsicherer Rahmenbedingungen

Diskussiondrunde

Auf Einladung der japanischen Regierung tauschten sich Anfang Februar deutsche Führungskräfte in der Kinder- und Jugendhilfe während eines internationalen Fachkräfteprogramms mit japanischen, britischen und dänischen Kolleginnen und Kollegen über Professionalisierung, Vernetzung, Führungskräfteentwicklung, ehrenamtliches Engagement und die Angebotsstruktur in Feldern der Kinder- und Jugendhilfe aus. Als Teil der 5köpfigen deutschen Kinder- und Jugendhilfedelegation wurde auch Alexander Mühlberger von der Ev. Stiftung Arnsburg aus Lich eingeladen, um Aspekte der stationären und teilstationären Hilfen in die Fachdiskussion einzubringen

Shimane- eine sehr ehrenamtlich aktive Präfektur

Fester Bestandteil des Young Core Leader Programms sind die Regionalprogramme. Die Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe waren eingeladen, Best Practice-Beispiele in der japanischen Präfektur Shimane kennen zu lernen und mit den dortigen haupt- und ehrenamtlichen Führungskräften über die Weiterentwicklung der Kinder- und Jugendhilfe zu diskutieren und voneinander zu lernen.

Die Präfektur Shimane liegt an der Westküste Japans und ist aufgrund ihres ländlichen Charakters, eine der am wenigstens besiedelten Gebiete Japans. Augenfällig ist das hohe Durchschnittsalter der Bewohner, aber Shimane weist auch eine der höchsten Quoten ehrenamtlich aktiver Bürger  auf, was der Vize-Präsident der Präfektur im Rahmen einer Begrüßungsrede mit Stolz bemerkte. Zu den Problemlagen junger Menschen zählen in Shimane soziale Isolation, Bildungsabbrüche und Schulschwänzen, Entwicklungsverzögerungen sowie eine sehr kleine Anzahl von krimineller Heranwachsender.

Best Practice aus der Präfektur Shimane

Im Rahmen von zwei Institutionsbesuchen lernte die europäische Delegation soziale Einrichtungen kennen, die erfolgreich die beschriebenen Herausforderungen bearbeiten und Heranwachsenden eine Perspektive geben. Die Kooperation „The Liaison Conference of Green an Water" aus der Gegend Ohda betreibt ein offenes Bildungs- und Lernzentrum, das durch Betreuung und Förderung den Heranwachsenden einen guten Einstieg ins Berufsleben geben und junge Menschen auf dem Weg ins Erwachsenenleben unterstützen will. Methoden der Förderung sind auf der einen Seite die Umweltbildung, auf der anderen Seite Internationale Workcamps und ein offenes Jugendzentrum, in dem es Angebote, wie Hausaufgabenbetreuung oder sinnvolle Freizeitgestaltung gibt. Zwei der größten Herausforderungen der Liaison seien die Fachkräfteentwicklung sowie die bedarfsorientierte Erweiterung des Angebots, so deren Vorsitzender in einem Vortrag. Der zweite Institutionenbesuch führte die Delegation zu „Youthnet-Shimane" in Matsue. Hier liegt der Fokus bei umfassenden Unterstützungsangeboten für schulverweigernde Kinder und Jugendliche sowie für junge Menschen, die sozial zurückgezogen leben. Neben der persönlichen und individuellen Beratung und Begleitung finden auch gruppenbezogene Methoden ihre Anwendung, ein weiteres spezielles Angebot gilt der Stärkung der Familien von betroffenen Kindern und Jugendlichen. Dieser ganzheitliche Ansatz spiegelt sich auch in der Zusammensetzung des Teams wider, in welchem Experten aus der Sozialen Arbeit, Psychologie und Berufsberatung eng zusammenarbeiten. In diesem Kontext zeigten sich hier aktuelle Fragestellungen vor allem im Zusammenhang mit einer systematisierten Personalentwicklung sowie Ansätzen der Mitarbeiterbindung.

Drei Bausteine, die Wirkung zeigen: Vernetzung, Fachkräfteentwicklung und Ressourcenorientierung

Im Rahmen des Regionalprogrammes fanden zahlreiche Diskussionsrunden mit europäischen und japanischen haupt- und ehrenamtlichen Führungskräften statt. Durchgängig wurde intensiv diskutiert, wie soziale Arbeit und die Jugendlichen mehr Unterstützung erhalten können, welche Professionalisierung der Fachkräfte betrieben werden muss und welchen Blick man den Klienten gegenüber haben sollte. Ein Ergebnis: beständige Kommunikation und Diskussion. Netzwerke ermöglichen nicht nur einen Austausch und gegenseitige Beratung, sondern fördern auch Innovationen und ermutigen, neue Wege zu betreten, neue Angebote zu entwickeln. Dies wiederum führt zu einer Motivationssteigerung der Fachkräfte und setzt auch ein funktionierendes Aus- und Weiterbildungsprogramm voraus. Gerade hier konnten die europäischen Delegationen wertvolle Anstöße geben. Viel wichtiger als lediglich die Übernahme von europäischen Konzepten war allerdings die Erkenntnis, dass großes Potential in jedem Einzelnen steckt. Und damit sind nicht nur die Fachkräfte gemeint, sondern auch, oder vielleicht auch vor allem, die Jugendlichen selbst, die Bewohner, die Vereine vor Ort, die Gemeindeverwaltung. Diese Ressourcen zu entdecken und erfolgreich zusammen zu führen stellt eine der aktuellen Herausforderungen in der Jugendarbeit in Japan und Dänemark, Großbritannien und Deutschland dar.

Text und Fotos: Edeltraud Botzum

 

 

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