-Die Ev. Stiftung Arnsburg im Einsatz für die Kinderrechte-

In den Medien tauchen immer wieder erschütternde Meldungen auf, in denen von sexuellem Missbrauch an Kindern und Jugendlichen berichtet wird- seltener hingegen wird berichtet, was und wieviel  in Einrichtungen, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten alles getan wird, um Missbrauch zu verhindern und Kinder und Jugendliche zu schützen und zu stärken.

Die Ergebnisse der Runden Tische „Heimerziehung“ und „Sexueller Kindesmissbrauch“ hatten das Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend“  dazu veranlasst, die „Bundesweite Fortbildungsoffensive 2010-2014 zur Stärkung der Handlungsfähigkeit (Prävention und Intervention) von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Kinder- und Jugendhilfe zur Verhinderung sexualisierter Gewalt“, kurz BuFo,  ins Leben zu rufen. Umgesetzt wurde die Offensive von der „Deutschen Gesellschaft für Prävention und Intervention bei Kindesmisshandlung und –vernachlässigung e.V.“ (DGfPI) mit 18 kooperierenden Fachstellen im Bundesgebiet für mehr als 7000 MitarbeiterInnen und Leitungskräfte in 310 Jugendhilfeeinrichtungen - darunter auch in der ESTA (Ev. Stiftung Arnsburg in Lich). Deren Bereichsleiterin Bärbel Valentin beschäftigt sich selbst seit vielen Jahren mit dem Erkennen und dem Verhindern von sexuellem Missbrauch an Jungen und Mädchen und ist als Kinderschutzfachkraft für die Fortschreibung der entsprechenden Schutzkonzepte und Mitarbeiter - Schulungen in der Stiftung verantwortlich. Somit kam ihr das Angebot von Wildwasser Gießen, die Stiftung im Rahmen der BuFo zu schulen, mehr als entgegen.
Im Rahmen von 10 Fortbildungstagen wurde mit den MitarbeiterInnen der Stiftung intensiv zu den Themen Erkennen und Verhindern von Missbrauch, Hilfen für missbrauchte und missbrauchende Kinder und Jugendliche sowie über den Umgang mit Verdachtsfällen gearbeitet. Handlungspläne, die genau vorgeben, wie in Verdachtsfällen vorzugehen ist, wurden gemeinsam mit den MitarbeiterInnen und den Leitungskräften erarbeitet. Ein wesentlicher Fokus war auf die Prävention gerichtet- was stärkt Kinder und Jugendliche, um Missbrauch zu verhindern?

Dank der Professionalität und des hohen Einsatzes der Mitarbeiterinnen von Wildwasser Gießen und des großen Engagements der PädagogInnen der ESTA wurden die Fortbildungstage intensiv  genutzt und mit einem sehr gut ausgearbeiteten Schutz-, Präventions- und Partizipationskonzept sowie einem sexualpädagogischen Konzept abgeschlossen. Sehr treffend brachte Frank Lehner, ebenfalls Bereichsleiter der Stiftung Arnsburg, die Resultate auf den Punkt: „Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sind viel sicherer im Umgang mit dieser „schweren“ Thematik geworden und melden uns dies auch immer wieder zurück. Wir alle haben mehr Wissen um das Erkennen von Gefahren sowie Gefährdungen gesammelt und können aktiv viel mehr tun als früher, um die Kinder und Jugendlichen vor Übergriffen zu schützen und sie zu stärken. Von Missbrauch betroffenen jungen Menschen können wir im pädagogischen Rahmen und durch die Vernetzung z.B. mit Wildwasser Gießen und dem Kinderschutzbund Gießen effektive Unterstützung anbieten.“

In Mülheim/ Ruhr fand Anfang 2015 mit über 160 TeilnehmerInnen die große Abschlussveranstaltung der BuFo statt, um die Ergebnisse der letzten Jahre zu reflektieren und  Perspektiven zu diskutieren. Eine Podiumsdiskussion hatte die Herausforderungen in Bezug auf die Implementierung von Schutzkonzepten in Einrichtungen der Jugendhilfe zum Thema. Frau Valentin vertrat auf dem Podium die Sicht der Praxis; weitere Teilnehmer waren Prof. Dr. Wiesner, Mitglied des multiprofessionellen Beirates der BuFo und bekannt als Kommentator des SGB VIII , Klaus Theißen, BAG der freien Wohlfahrtspflege, Astrid-Maria Kreyerhoff, Fortbildungsfachkraft der BuFo und Iris Hölling, Vorstand der DGfPI. Moderiert wurde die Podiumsdiskussion von der Kölner Journalistin Beate Hinrichs.  Fazit der Diskutanten: Die Fortbildungsoffensive hat die teilnehmenden Einrichtungen intensiv für die Themen Schutz und Prävention sensibilisiert und in der Entwicklung entsprechender Konzepte erheblich voran gebracht.  Kinderschutz ist und bleibt ein hohes Gut und wichtiges Thema in der Jugendhilfe, entsprechendes Wissen sollte unbedingt bereits in den Ausbildungen der PädagogInnen vermittelt werden. 
Kinderschutz setzt aber auch die Bereitschaft der Politik und der öffentlichen Träger voraus, die freien Träger der Jugendhilfe bei der Bereitstellung der notwendigen Kapazitäten zu unterstützen. 
Frau Birnthaler von Wildwasser Gießen bot am Nachmittag des Fachtages einen gut besuchten Workshop an, der sich dem Thema widmete, welche Anforderungen an die Leitung einer Jugendhilfeeinrichtung gestellt werden, wenn der Verdacht eines sexuellen Übergriffes seitens eines Mitarbeiters/ einer Mitarbeiterin gegenüber einem Kind/ Jugendlichen vorliegt. Hier wurde besonders deutlich, wie wichtig gut fundiertes und angewandtes Wissen der Leitungskräfte sowie ausgearbeitete und transparente Handlungspläne sind, um fachlich und rechtlich korrekt und gut im Sinne des Kinderschutzes handeln zu können.

Um die Ergebnisse der BuFo zu festigen und an der stetigen Optimierung ihres Schutzkonzeptes zu arbeiten, werden in der ESTA unter anderem regelmäßige Schulungen sowohl für die pädagogischen Teams als auch für Verwaltung, Hauswirtschaft und Technik durchgeführt.

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